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Leseproben

Leseprobe Schattenrose - Coming soon! (März 2010)

1
 
Er beobachtete sie, wie sie den Weg zu ihrem Wohnhaus entlang ging. Sie war schön, hatte langes blondes Haar und einen anmutigen Gang. Ihre schlanken Beine harmonierten perfekt mit dem Rest ihres Körpers. Am Hauseingang hielt sie kurz inne und drehte sich um. Einen Moment lang glaubte er, sie hätte ihn gesehen. Doch dann wandte sie sich wieder der Tür zu, schloss auf und ging ins Haus. Er atmete tief durch. Es dauerte eine Weile, bis das Licht im Wohnzimmer anging. Durch die Gardinen konnte er schemenhaft erkennen, wie sie sich im Zimmer bewegte. Dann verließ sie den Raum. Er griff in seine Jackentasche und holte eine Schachtel Zigaretten hervor. Er zündete sich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Dann hustete er, nahm noch einen Zug und spürte, wie sich seine Lunge langsam an den Qualm gewöhnte. Er rauchte schnell. Nach seinem letzten Zug trat er die Zigarette auf dem Boden aus, hob den Stummel auf und packte ihn in ein kleines Plastiktütchen, dass er in seiner Jackentasche verschwinden ließ. Sie hatte den Raum wieder betreten und den Fernseher angeschaltet. Jetzt ließ sie sich auf der Couch nieder und verschwand damit aus seinem Blickfeld. Er warf einen Blick auf seine Uhr. 23:30 Uhr. Es war bald Zeit. Langsam näherte er sich dem Haus. Um ihn herum herrschte vollkommene Stille. Es war eine ruhige Wohngegend am Stadtrand. Das kam ihm entgegen. Eine Straßenlaterne leuchtete ihm den Weg zur Haustür. Es war soweit. Er hatte lange auf diesen Augenblick gewartet. Und jetzt durchströmte ihn ein unglaubliches Gefühl der Bestätigung. Er klingelte. Er war bereit.
 
Damian drehte sich unruhig in seinem Bett hin und her. Dann schlug er die Augen auf und streckte sich. Er fühlte sich wie gerädert. Ganz so, als wäre er von einem Achtzehntonner überrollt worden. Er schwang lustlos die Beine aus dem Bett und stand auf. Eine kalte Dusche und ein starker Kaffee würden ihn sicher wieder in Schwung bringen. Er ging in die Küche und setzte Kaffee auf. Danach stellte er sich unter die Dusche und spürte, wie der kalte Strahl ihn nachhaltig wach machte und seine Lebensgeister in Schwung kamen. Als er dann ein paar Minuten später in der Küche vor seiner Zeitung saß und den ersten Schluck seines Kaffees genossen hatte, ging es ihm besser. Er war am Abend zuvor früh zu Bett gegangen und hatte geschlafen wie ein Stein. Seinem Bruder Gregor, der sich eigentlich mit ihm hatte treffen wollen, hatte er eine Abfuhr erteilt. Er war einfach zu müde gewesen und hatte sich nur noch danach gesehnt, schlafen zu gehen. Und dennoch fühlte er sich morgens in letzter Zeit wie erschlagen. Er blätterte den Sportteil durch und schüttelte den Kopf. Seine Lieblingsfußballmannschaft hatte mal wieder verloren. Das war doch einfach nicht zu glauben. Wofür hatten die einen neuen Trainer engagiert? Er hatte gleich gesagt, dass das die Serie von Niederlagen nicht würde beenden können. Aber was verstand er schon von Fußball? Sein Handy blinkte auf und er ging hinüber zur Anrichte und klappt es auf. Eine Nachricht von Gregor, der sich erkundigen wollte, ob er abends zum Essen kommen wolle. Irgendwie war es ja niedlich, wie sein Bruder und seine Schwägerin sich um ihn kümmerten, seit Ellen weg war. Sie glaubten offenbar, er käme keinen einzigen Tag allein zurecht. Dabei wohnten er und Ellen noch gar nicht lange zusammen und er war es gewohnt sich allein zu verpflegen. Außerdem war Ellen nicht ausgezogen, sondern lediglich für drei Wochen zur Kur an die See gefahren. Ihr Asthma hatte ihr in den letzten Wochen sehr zu schaffen gemacht. Er bedankte sich brav für das Angebot und schrieb, dass er sich noch einmal melden würde, ob er es rechtzeitig zum Essen schaffen könnte. Eigentlich hatte er vorgehabt, am Abend mal wieder sein Motorrad aus der Garage zu holen. Jetzt wo Ellen nicht da war, wäre das die Gelegenheit um eine kleine Tour zu machen. Denn wenn sie wieder kam, wollte er sie mit einem Heiratsantrag überraschen. Doch dafür musste er zunächst ein besonders romantisches Plätzchen finden. Schließlich sollte dies ein unvergesslicher Augenblick werden. Er hatte sich schon ein bisschen schlau gemacht und sich einige hübsche Burgen in der Umgebung herausgesucht, die er für besonders geeignet hielt. Und an schönen Burgen mangelte es in der Gegend nicht gerade. Damian wohnte in der Nähe von Bonn in einem kleinen Ort direkt am Rhein. Entlang des Rheins und der Mosel gab es Dutzende von Burgen und Schlösschen und viele davon waren für Besucher geöffnet. Das Telefon riss ihn aus seinen Gedanken. Er stand auf, ging in den Flur und nahm den Hörer aus der Station.
„Rose?“
„Morgen Damian, es gibt Arbeit.“ meldete sich sein Freund und Kollege Richard.
„Morgen Richard. Was haben wir denn?“
„Ein Mord. Die Kollegen von der Wache haben uns gerade informiert.“
Damian hatte schon seine Schuhe in der Hand. Diese Abläufe waren irgendwie drin. Wenn das Telefon klingelte und er zu einem Einsatz gerufen wurde, war er immer gleich auf dem Sprung.
„Adresse?“
„Ahrtalweg 15. Kannst du mich vorher abholen? Mein Wagen ist in der Werkstatt.“
„Klar, bin in zehn Minuten da.“
Er legte das Telefon zurück in die Station und zog sich seine Schuhe an. Dann ging er in die Küche, stellte die Kaffeemaschine ab, nahm einen letzten Schluck und griff nach seinem Handy. Schlüssel und Brieftasche lagen griffbereit im Flur auf der Kommode. Er verließ das Haus und stieg in seinen Wagen. Damian Rose, Kommissar bei der Kriminalpolizei in Bonn, auf dem Weg zu seinem nächsten Einsatz. Manchmal gruselte er sich vor sich selbst, weil es ihm so gar nichts mehr ausmachte, wenn er an den Schauplatz eines Verbrechens gerufen wurde. Nicht mal sein Puls ging schneller, obwohl er in etwa wusste, was ihn gleich erwarten würde. Vermutlich war das auch schon das ganze Geheimnis. Routine. Er hatte gelernt, dass er sich seine Arbeit nicht zu sehr zu Herzen nehmen durfte. Es war sein Job mit schlimmen Dingen konfrontiert zu werden. Und er war dafür da, diese Verbrechen aufzuklären. Emotionen waren da unangebracht und behinderten ihn nur. Das hatte er schnell gelernt.
„Wissen wir schon, wer das Opfer ist?“ Fragte Damian Richard, als sie auf dem Weg zum Tatort waren.
„Eine junge Frau. Ihr Freund hat sie gefunden und sofort die Polizei alarmiert.“
„Na super. Ist ja ein klasse Start in die Woche.“
„Ja, und für den armen Kerl erst.“
Damian grinste, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Sein Freund Richard hatte einen subtilen Humor. Aber gerade deshalb konnte er ihn so gut leiden.
„Und sonst? Wie war dein Wochenende?“
„Ach, nichts besonderes. Und bei dir? Wie ist das Leben als Strohwitwer?“
Damian schüttelte den Kopf.
„Ihr tut alle so, als wäre ich ohne Ellen völlig hilflos. Gregor und Melli bemuttern mich auch schon.“
„Na ja, Ellen hat uns alle beauftragt, auf dich aufzupassen.“
„Ja, schon klar.“
Damian lachte. Richard hatte nur einen Scherz gemacht. Aber es würde zu seiner Ellen passen. Bevor sie sich am Freitag auf den Weg gemacht hatte, hatte sie tagelang herumgewirbelt. Essen war in der Tiefkühltruhe, seine Wäsche hing gebügelt im Schrank, der Vorrat an Naschereien würde vermutlich für Monate reichen und am Kühlschrank hing ein Zettel mit Anmerkungen, an was er unbedingt denken musste. Er schmunzelte. Seine Ellen war schon eine ganz besondere Frau. Kennen gelernt hatte er sie auf der Hochzeit eines Kollegen. Sie war die Trauzeugin der Braut gewesen und war ihm gleich aufgefallen. Nach der Trauung waren sie beim Sektempfang ins Gespräch gekommen und hatten später ihre Nummern ausgetauscht. Er war erstaunt gewesen, dass Ellen sich wirklich wenige Tage später gemeldet hatte. Sie hatten sich einige Male getroffen und waren kurz darauf ein Paar gewesen. Es hatte nicht lange gedauert, bis er gewusst hatte, dass sie die Frau fürs Leben war. Das alles war jetzt ein Jahr her. Und vor gut zwei Monaten war Ellen zu ihm gezogen. Er besaß eine hübsche Eigentumswohnung und sie waren sich schnell einig gewesen, dass seine Wohnung ihr gemeinsames Zuhause werden sollte. Beide arbeiteten sie zwar im Bonner Zentrum und von Ellens zentral gelegener Mietwohnung aus hätten sie es beide näher zur Arbeit gehabt, aber Damian hatte seine Wohnung erst vor zwei Jahren gekauft und er wollte sich nicht davon trennen. Außerdem war die monatliche Abtragung für die oberhalb von Linz gelegene Wohnung nur unwesentlich höher als die Miete der Stadtwohnung. So wusste man wenigstens, wofür man die Kohle jeden Monat hinblätterte – für seine eigenen vier Wände. Und so war die Wahl recht leicht gefallen. Auch wenn Ellen einige Veränderungen vorgenommen hatte. Um es gemütlicher zu machen und der Wohnung den Junggesellencharme zu nehmen, hatte sie gesagt. Ihm war es egal gewesen. Er hatte sich auch vorher nicht unwohl gefühlt. Aber er konnte auch nicht abstreiten, dass sie einfach eher ein Händchen für Innendekoration hatte. Mit wenigen kleinen Details hatte sie seine Wohnung in einem ganz neuen Licht erstrahlen lassen. Sein ganzes Leben hatte viel mehr Glanz, seit sie an seiner Seite war.
 
Damian parkte den Wagen. Direkt vor dem Haus standen zwei Streifenwagen. Richard und er stiegen aus und wurden von einem Kollegen in Uniform begrüßt.
„Morgen, die Herren.“
„Guten Morgen, wie sieht’s aus?“
„Soweit nichts Besonderes. Die Spurensicherung ist gleich durch.“
Damian und Richard nickten und zogen sich ihre Tyvek Anzüge über ihre Kleidung. An Tatorten musste natürlich genau darauf geachtet werden, keine neuen Spuren zu setzen. Dafür gab es spezielle Schutzkleidung, die einen besonders geringen Faserverlust garantierte. Fertig verhüllt gingen sie ins Haus. Die Wohnung lag im ersten Stock. An der Tür waren keine Spuren von Gewalteinwirkung sichtbar. Der Täter hatte sich offenbar nicht gewaltsam Eintritt verschafft. Sie betraten den Flur und wurden von einem weiteren uniformierten Beamten ins Wohnzimmer weiter verwiesen. Auf den ersten Blick war dem Raum nicht anzusehen, dass ein Verbrechen in ihm stattgefunden hatte. Alles war ordentlich und sauber. Auf dem Tisch stand ein leeres Rotweinglas. Damian ließ seinen Blick kurz durch den Raum schweifen, bevor er sich dann dem Opfer zuwandte. Die junge Frau lag mit dem Gesicht nach unten auf der Couch. Richard beugte sich gerade über sie, als ein Kollege von der Spurensicherung zu erzählen begann.
„Also, das Opfer heißt Jana Riskowitsch und ist 34 Jahre alt. Sie…“          Der Kollege sprach weiter, doch Damians Gehör setzte für einen Moment aus. Ein furchtbarer Ruck hatte seinen Körper durchzuckt. Er spürte wie sein Kopf ganz heiß wurde und er ging blitzschnell auf die Couch zu und stieß Richard beiseite. Vorsichtig fasste er die junge Frau an der Schulter und drehte sie herum. Ihr Gesicht war bildschön. Und es schien ganz so, als würde sie ihn anlächeln. Genauso, wie sie ihn vor einigen Tagen noch angelächelt hatte. Jana.
„Damian, alles okay mit dir?“
Richard hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt und sah ihn leicht irritiert an.
„Ja, sicher. Es geht schon wieder.“ Er wandte sich von Jana ab und richtete sich an den Kollegen.
„Man sagte uns, ihr Freund habe sie gefunden. Ist der noch hier?“
„Ja, er ist in der darüber liegenden Wohnung bei der Nachbarin. Sie war befreundet mit dem Opfer.“
„Dann sollten wir ihn gleich mal befragen“ sagte Damian und verließ schnellen Schrittes die Wohnung. Richard folgte ihm und hielt ihn im Treppenhaus auf.
„Was ist denn los mit dir?“
„Ich kannte sie.“ antwortete er schlicht.


Leseprobe: "Von der kleinen Fee und ihrer Reise zu den Wünschen":

1 Die kleine Fee
 
Über dem Glitzertal ging langsam die Sonne auf. Das goldene Licht der Sonne traf auf den Fluss der sich geschwungen durch das Tal zog und ließ ihn glitzern und funkeln. Darum hieß das Tal Glitzertal. Am Tage glitzerte der Fluss in hellen, strahlenden Facetten und in der Nacht, wenn die Sonne sich schlafen legte übernahm der Mond die Wache und ließ das Wasser genauso schimmern und funkeln. Das Leben im Glitzertal war ruhig und beschaulich. Seine Bewohner waren hauptsächlich Tiere. Igel und Vögel, Schmetterlinge und Hummeln, Wiesel und Eichhörnchen, Bären und Äffchen und… Ja und dann lebten im Glitzertal noch die Feen. Jedes Kind weiß, dass es sie gibt. Sie sind dafür da den Menschen Herzenswünsche zu erfüllen. Natürlich können das nur die großen Feen. Denn Wünsche zu erfüllen erfordert viel Feengeschick. Die kleinen Feenkinder warten voller Ungeduld auf den Tag an dem sie durch ihre Prüfung endlich zur Wunschfee werden. Keiner von ihnen weiß wie die Prüfung aussieht oder wann sie stattfindet. Immer wenn ein Feenkind fragt antworten die großen Feen „Das wirst du sehen, wenn es soweit ist.“ Geduld ist etwas was die kleinen Feenkinder noch lernen müssen denn wie alle Kinder sind sie schrecklich neugierig auf alles Neue. Eins von diesen Feenkindern die im Glitzertal lebten war die kleine Aaliyah. Zusammen mit den anderen kleinen Feen schlief sie in einem hübschen Haus direkt am Flussufer. Morgens wenn das Glitzern und Funkeln die Augen kitzelte wachen die kleinen Feen auf und laufen hinunter zum Fluss. Dort lassen sie sich auf einer Wiese nieder und warten auf die großen Feen. In der Nacht fliegen die großen Feen los um Wünsche aufzuspüren und zu erfüllen. Am Tage dann wachen sie über die kleinen Feen und lehren sie was sie wissen müssen. Aaliyah und ihre Freundin Leonor lagen auf dem Rücken und beobachteten das Spiel der Wolken am Himmel. „Da vorne, das ist ein Notenschlüssel“ rief Aaliyah und Leonor nickte begeistert. „Und sie mal da, Aaliyah. Das da ist ein kleines Hundebaby.“ Die Mädchen hielten Ausschau nach weiteren Wolkenbildern. Das war ein lustiges Spiel und die beiden lachten ausgelassen. Plötzlich begann die Luft zu rauschen und kündigte die Ankunft der großen Feen an. Die beiden setzen sich auf und bestaunten wie jeden Morgen wie sich aus den Wolken eine große schimmernde Wolke herabsenkte. Ihr Schimmern war so hell und funkelnd, dass die kleinen Feen geblendet wurden. Dann teilte sich die Wolke auf in viele kleine schimmernde Goldfäden und beim nächsten Augenaufschlag nahmen sie die Gestalt von fliegenden Feen an. Die langen Haare der großen Feen sahen aus wie fließendes Gold und ihre wehenden Kleider leuchteten in allen Farben. Dann standen sie vor den Feenkindern und wurden sofort von ihnen umringt und begrüßt. Aaliyah und Leonor stürmten auf Camille zu. Camille war noch eine sehr junge Fee. Ihre Prüfung lag noch nicht lange zurück und die beiden Mädchen versuchten ständig Camille darüber auszuquetschen. Doch Camille war nun eine große Fee und sie sagte nur was alle großen Feen sagten. „Wenn es soweit ist, werdet ihr schon sehen.“
„Hallo Camille“ rief Aaliyah und umarmte Camille ungestüm. Camille hob die kleine Fee hoch und wirbelte sie ein paar Mal im Kreis herum. Der Feenstaub der Camille noch von ihrem Flug umgab kitzelte Aaliyah in der Nase und sie musste niesen. Camille stellte die kleine Fee wieder auf ihre nackten Füße und lachte.
„Meine süße, kleine Aaliyah“ dann wand sie sich an Leonor und schloss auch sie in ihre Arme „und meine süße, kleine Leonor. Habt ihr beiden gut geschlafen?“
Die kleinen Feen nickten und bedrängten Camille dann mit Fragen. Wo war sie in der Nacht gewesen? Hatte sie einen oder gar mehrere Wünsche aufgespürt? Wie spürte man überhaupt Wünsche auf? Und hatte sie in dieser Nacht Wünsche erfüllen können? Doch Camille war genauso unnachgiebig wie die anderen großen Feen. Sie lächelte die beiden kleinen gütig an und schob sie dann vor sich her unter den großen Baum wo die anderen kleinen und großen Feen schon saßen und mit dem Unterricht begonnen hatten.
„Schhhht. Ihr müsst jetzt zuhören. Ihr wollt doch schnell lernen, damit ihr mit mir fliegen könnt, nicht wahr?“
 
Leseprobe "Die große Reise der Spielsachen" erschienen unter dem Label B-Project Behr und mehr im Buch "Unterwegs - Geschichten zum lesen und vorlesen für Kinder ab drei Jahren:

2          Der Zauber beginnt

 

Das Kinderzimmer lag in schummriger Dunkelheit. Durch das geöffnete Fenster schien ein wenig Licht von der Laterne im Hof hinein und leise rauschten die Blätter in den Bäumen. Arvid schlief und träumte. In seinem Traum sah er Timmy, wie er mit der großen Autofähre zu ihm nach Hause fuhr. Unruhig drehte sich der kleine Junge in seinem Bett hin und her. Und dann geschah es. Ein Zauber, der nur ganz selten passiert. Im Kinderzimmer rührte sich etwas. Ein kleines Spielzeugauto rollte langsam aus einer Ecke, über den großen Spielteppich in die Mitte des Zimmers. Dort blieb es stehen. Dann fuhr es langsam im Kreis herum. Und nach und nach, erwachten um das Auto herum auch die anderen Spielsachen zum Leben. Das Kinderzimmer war erfüllt von leisem Rattern und Surren. Nach einer Weile war das ganze Spielzeug aus den Schränken gerollt und gelaufen. Ein Teddybär half noch ein paar Baggern und Autos aus einer Kiste. Dann hatten sich alle auf dem großen Spielteppich versammelt. „Nanu. Was geht denn hier vor?“ fragte Brummi, ein kleiner LKW. Alle murmelten wild durcheinander. Keiner konnte sich erklären, warum sie auf einmal lebendig waren. Ein paar kleine Autos rasten aufgeregt zwischen den anderen Spielsachen hindurch. Und Elli, die Eisenbahn, tutete einmal vor lauter Freude.„Psst, seit doch ein bisschen leise. Ihr weckt noch Arvid auf“ zischte das Auto, das sich zuerst bewegt hatte und in der Mitte des Teppichs stand. „Also, ich kann euch allen erklären, was hier vor sich geht.“ Die anderen Spielsachen traten näher an Heinerle, so hieß das Auto, heran. Gespannt sahen sie ihn an. Dann brummte der große Teddybär „Hey, warst du nicht mit Arvid im Urlaub? Du Glücklicher. Ich würde auch gerne mal was von der Welt sehen. Aber ich bin zu kostbar. Mich darf er nicht mit rausnehmen.“ „Red keinen Quatsch, Teddy“ riefen die anderen dazwischen. „Du bist nicht zu kostbar, du bist nur eben nicht für draußen gemacht.“„Ruhe jetzt“ rief Heinerle und nun hielten alle die Luft an und waren mucksmäuschenstill. „Arvid hat im Urlaub einen von uns vergessen. Timmy, den kleine Plüschhasen.“ Ein Raunen ging durch die Spielsachen. Brummi, der LKW, schnaufte entsetzt und Elli, der Eisenbahn, entfuhr wieder ein lautes Tuten.„Pssst! Er darf nicht aufwachen“ sagte Heinerle erschrocken. „Aber, wie konnte denn das passieren?“ fragte Teddy schockiert. „Warum hast du nicht auf Timmy aufgepasst?“„Na hör mal“ sagte Heinerle und drehte sich wütend zu dem Bären um. „Ich bin schon froh, dass mich sein Papa noch in der letzten Minute eingesteckt hat. Sonst säßen wir nämlich jetzt beide dort fest.“„Aber was sollen wir denn jetzt tun?“ fragte ein anderes Auto.„Wir müssen Timmy retten“ schnatterte ein kleiner Feuerwehrmann. „Ja, ja, beruhigt euch. Genau, darum geht es hier ja. Wir sind zum Leben erwacht, damit wir Timmy helfen können. Arvid ist schrecklich traurig. Timmy war sein Liebling.“ Ein paar der Spielsachen grummelten ein wenig. Sie waren neidisch, weil sie genau wussten, dass sie nicht zu Arvids Lieblingsspielzeug gehörten. „Aber was hat man schon für eine Chance, wenn man nur ein langweiliges Auto ist, bei dem man nicht mal die Türen öffnen kann?“ schimpfte ein kleiner, blauer Wagen.„Nun reicht es aber“ sagte Heinerle. „Wir müssen jetzt alle zusammen halten. Schließlich wollen wir doch nicht, dass Arvid traurig ist, oder?“ Jetzt nickten alle zustimmend. Heinerle hatte Recht. Sie mussten sich dringend was überlegen, wie sie Timmy helfen konnten. Sie mussten ihn nach Hause holen. Aber wie? Sie brauchten einen Plan. Angestrengt überlegten sie alle gemeinsam, was nun am Besten zu tun war. Dann fuhr Tati in die Mitte, eine kleine Planierraupe. „Hey“ rief sie. „Ich bin dafür, wir gehen einfach hin und holen Timmy wieder nach Hause.“„Ja klar“ brummte Teddy. „Ganz einfach. Und wie sollen wir das machen? Wir wissen doch gar nicht, wo es lang geht. Außerdem wird es wohl auffallen, wenn wir auf einmal alle weg sind.“„Na, wir gehen doch nicht alle. Wir bilden ein Rettungsteam. Und Heinerle ist unser Anführer. Schließlich kennt er den Weg“ antwortete Tati altklug. Ein paar der Spielsachen sahen sie zweifelnd an. Aber das zustimmende Gemurmel wurde immer lauter. Schließlich waren sich alle einig. Ein paar von ihnen würden sich auf den Weg machen, um Timmy nach Hause zu holen. Und weil Heinerle der Anführer war, durfte er auswählen, wer mitkam auf die große Reise. Er fuhr zwischen den Spielsachen hindurch und sprach dabei leise vor sich hin. Nach einer Weile war das Rettungsteam ausgewählt. Heinerle würde Teddy den Bären mitnehmen, denn der war der Größte von allen, und konnte hilfreich sein. Tati, wurde auch ausgesucht, denn als Planierraupe konnte sie ihnen unwegsame Strecken, befahrbar machen. Dazu kam noch Brummi der LKW, Tommy der Feuerwehrmann und Bob der kleine Handwerker. Das war praktisch, denn er konnte im Notfall die Fahrzeuge reparieren, wenn etwas kaputt ging. Elli, die Eisenbahn, war traurig, dass sie nicht mitkonnte. Aber ohne ihre Schienen konnte sie schließlich nicht fahren. Auch ein paar der anderen Sachen waren traurig. Aber sie sahen ein, dass ein paar von ihnen zurück bleiben mussten. Womit sollte Arvid sonst auch spielen?

Leseprobe "Beziehungskisten! Irren ist menschlich" meine Geschichte darin "Der schönste Tag in meinem Leben": 

0:00 Uhr

 
„Noch 16 Stunden.“ Immer wieder murmele ich diese Worte vor mich hin. Na ja, eigentlich nicht genau diese Worte. Immerhin. Vor zehn Minuten hab ich noch gemurmelt „noch 16 Stunden und zehn Minuten“. Also, man kann nicht sagen, dass sich nichts tut. „Noch 15 Stunden und 55 Minuten“. Ach verflucht, ich muss wirklich damit aufhören. Aber irgendwie kann ich nicht. Dieses Ereignis ist einfach zu groß, zu aufregend. Ich werde noch ganz verrückt. In 15 Stunden und 54 Minuten werde ich heiraten. Wenn mir das jemand vor einem Jahr erzählt hätte, dann hätte ich nur trocken gelacht. Undenkbar. Ich und heiraten! Aber dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse und jetzt sind es nur noch… Nein, ich sage es nicht. „Noch 15 Stunden und 52 Minuten“. Mist, jetzt hab ich’s doch gesagt. Mein Blick kann sich aber auch kaum von der Uhr lösen. Langsam bewegt sich der Sekundenzeiger weiter. Tic, tic, tic. Und gleich sind es nur noch… Schluss jetzt damit. Ich muss endlich schlafen. Sonst hab ich morgen womöglich noch dicke Augenringe. Eine unausgeschlafene Braut mit dicken Augenringen, die gähnt als der Standesbeamte gerade fragt ob sie ihrem Mann die ewige Treue schwören will. Bei diesem Gedanken wird mir ganz schlecht. Dann drehe ich mich unruhig auf die andere Seite, um nicht mehr auf diese blöde Wanduhr glotzen zu müssen. Aber schlafen kann ich trotzdem nicht. Ich versuche mich zu entspannen und einfach an gar nichts mehr zu denken. Einfach an gar nichts denken. Wieso geht das eigentlich nicht? Bei mir jedenfalls nicht. Immer wenn ich mir vornehme einfach an gar nichts zu denken, schwirren mir plötzlich tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf. Und dann kann ich keinen von ihnen mehr ausschalten. Verrückt. Vielleicht kann ich ja einschlafen, wenn ich noch ein wenig lese. Ich mache das Nachttischlicht an und setze mich auf. Doch auch dreißig Seiten später bin ich irgendwie nicht wirklich müde. Ganz automatisch dreht sich mein Kopf zur Seite und mein Blick fällt wieder auf diese dumme und vor allem selten hässliche Uhr. „Noch 14 Stunden und 47 Minuten.“ Wo hat er wohl dieses grässliche Stück her? Sieht aus wie aus einem billigen Ramschladen, hat aber bestimmt ein Vermögen gekostet. Aber noch viel interessanter ist die Frage: Wer kauft so was? Mein Zukünftiger. Ich muss lachen. Mein Zukünftiger. Wie das klingt. Na ja, morgen kann ich ja dann sagen, mein Mann. Ist irgendwie auch nicht besser. Ich sag einfach weiter nur seinen Namen. Der ist ja auch ganz schön. Arne Flemming. Das heißt, ab morgen heiße ich dann auch Flemming. Es hätte schlimmer kommen können. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle? Ich kann es sowieso nicht mehr ändern. Morgen werde ich zu Nora Flemming. Morgen, nun bin ich wieder bei morgen. Ein Blick auf die hässliche Uhr ruft mir jedoch sogleich in Erinnerung, dass morgen eigentlich schon heute ist. Ich muss wirklich langsam schlafen. Was wird Arne wohl sagen, wenn ich morgen im Standesamt laut gähne anstatt voller Inbrunst „Ja“ zu sagen. Voller Inbrunst… wie macht man das eigentlich? Ganz gleich wie, es wird mir sowieso nicht gelingen. Denn mir wurde schon in frühester Kindheit beigebracht, dass ich nicht lügen darf. Und nun verlangen ausgerechnet die Menschen, die mich dieser zweifellos guten Erziehung unterzogen haben, dass ich genau das tue. Das geht mir zuwider. Vor allem wenn man bedenkt was für eine große Lüge das darstellt und was sie nach sich ziehen wird. Wenn ich es tatsächlich über mich bringe „Ja“ zu sagen – „Ja“ zu sagen zu einem Mann, den ich nicht liebe oder genauer gesagt nicht einmal besonders mag, nein, sein wir ehrlich, den ich verabscheue – dann wird sich mein ganzes Leben mit diesem einzigen Wort verändern. Als erstes werde ich mein geliebtes zuhause verlassen müssen und hierher ziehen, in diesen Goldkäfig. Gut für so manchen gäbe es sicher schlimmeres als in einer großen Villa am Stadtrand mit Pool und Gartenhaus und vor allem Personal für jeden zu erledigenden Handschlag zu wohnen. Doch ich mag meine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in Bahnhofsnähe in der die Dielen quietschen und die Fenster nicht dicht sind. Doch das Allerschlimmste ist, ich werde wohl nie wieder glücklich sein, denn ich werde meinen Job aufgeben müssen und hier leben mit Menschen die ich hasse. Wie man so was denken kann, am Vorabend seiner Hochzeit??? Das kann ich ganz leicht erklären und Zeit genug hab ich ja auch, nämlich noch 14 Stunden und 40 Minuten:


 


 





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